Band 49: Eintrag vom  30. Mai 1853 (Nr. 674)

Eintragsübersicht (Band, Sitzung)

Transkription

 

Die betreffende gemeinderäthliche Commission berichtete heute über den von der Hospital-Verwaltung eingereichten

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Antrag, daß die Lokalitäten des Bürgerhospitals, welche bei der gestiegenen Bevölkerung desselben nicht mehr hinreichende Räumlichkeiten darbieten, namentlich aber die erforderlichen Zimmer zur Aufnahme epidemischer Kranken vermissen lassen, durch den Anbau von Flügeln erweitert werden mögen.

Die Nothwendigkeit zur Beschaffung von mehr Räumen für das Bürgerhospital wurde allseitig anerkannt; über die Art und Weise, wie diese Räume disponibel zu machen, war man sich indessen nicht einig. - Von der einen Seite wurde hervorgehoben, daß auf dem Oekonomie-Gebäude des Hospitals mit verhältnismäßig geringen Kosten sich noch zehn Gelasse einrichten ließen, die recht geeignet sein dürften, die dürftigen Irren und epileptischen Personen aufzunehmen, im äußersten Falle aber auf theilweise zur Aufnahme von Personen mit ansteckenden Krankheiten dienen könnten. Sei hier mit dem Bedürfnisse noch nicht abgeholfen, so wäre weiter in Erwägung zu ziehen, ob die Oekonomie beim Hospitale nicht etwa ganz aufzuheben oder ein anderes Lokal dafür bereit zu stellen sei, damit event. das ganze Oekonomie-Gebäude zu Krankenzimmern einge- richtet werde. Auf diese Weise wäre für größere Räum- lichkeit gesorgt, ohne daß die Gemeinde zu der 5 bis 6 000 Thl kostenden Ausführung eines Flügels übergehe, was später noch immerhin geschehen könne. Überdies müsse auch noch berücksichtigt werden, daß Krätz- und Syphilis- Kranke nach wie vor in den Krankenzimmern in der Spulengasse verpflegt werden könnten, und das Be- dürfniß zur Bereitstellung von neuen Lokalen für dergleichen Kranken also nicht wohl vorliege. Auf der andern Seite wurde dagegen geltend gemacht, daß mit der Einrichtung von Krankenzimmern in dem Oekonomie-Gebäude, dem Bedürfnisse nach keineswegs abgeholfen wäre, indem dadurch nur die nöthigen Lokalitäten zur Aufbewahrung der Irren und epileptischen Personen, welche jetzt in unzweck- mäßiger Weise bei den andern Hospitaliten unter- gebracht sind, beschafft sein würden. An Räumlichkei- ten zur Sonderung und Verpflegung epidemischer Kranken bliebe aber bei dieser Einrichtung gleichsam gänzlicher Mangel, und es würde bei dem Ausbruch von anstecken- den Krankheiten als: Cholera, Nervenfieber, Pocken p die nämliche Verlegenheit entstehen, wie sie jetzt der Behörde fortwährend bereitet sei. Da nun das Oekonomie-Gebäude sowohl als das Hospital-Gebäude ohne die bei einem Krankenhause nöthigen Abtritte

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und ohne Keller sind, der Keller unter dem alten kleinen Hospitalgebäude aber dumpf und namentlich für Kartoffeln gar nicht geeignet, überhaupt aber durchaus unzulänglich ist, so wäre bei neuen baulichen Einrichtungen auf möglichste Abhilfe dergleichen Übelstände bedacht zu nehmen, was jedoch bei der Ausbauung des Oekonomie-Gebäudes nicht möglich. Von dieser Seite wurde daher die Ausführung eines neuen Flügels mit Keller ebenso zweckmäßig als nothwendig gehalten. Die Unterbringung der Irren und epileptischen Personen können hierbei in der Weise geschehen, daß die weib- lichen Kranken in dem untern Theile des neuen Flügels und die männlichen Kranken in den herzustellenden Zimmern des Oekonomie-Gebäudes aufgenommen werden. darüber einzuholen, ob mit der baulichen Einrichtung

Bei den divergienden Ansichten des Gemeinderathes wurde, nachdem noch für das eine wie das andre Project Motive entwickelt worden, vorläufig beschlossen, ein Gutachten des Herrn Kreis-Physikus und des Herrn Kreis-Wundarztes darüber einzuhohen, ob mit der baulichen Einrichtung des Oekonomie-Gebäudes dem augenblicklichen Bedürfnisse entsprochen, oder ob die Ausführung eines neuen Hospital- Flügels unvermeidlich wäre.

a. u. s.