Band 38: Eintrag vom  15. September 1796 (Nr. 968)

Eintragsübersicht (Band, Sitzung)

Transkription

 

Einbruch ins StadtArchiv

Auf Anzeige des hiesigen Stadtraths, daß derselbe diesen Morgen, als er um einige Urkunden nachzusehen auf die hiesige Stadtarchiv gehen wollte, alle äußere und innere Thüren erbrochen gefunden, auch alle Käste und Schränke mit Gewalt geöfnet wären, das darin befindliche Kirchen Silberwerk, so wie auch das noch vorrätige stadtische Geld verlustig gewesen, hat das hiesige weltliche Gericht in Beiseyn des H. Vogten und sämmtlicher Scheffen die Besichtigung vorgenommen;

Fürs erste hat man befunden, daß die aufm Rathhausgang befindliche zwei vordere Thüren mit Gewalt erbrochen, und deren Schlößer und Riegel zersprengt gewesen; von dort aus fande man weiter, daß auf dem Aufgange zum Archive eine fernere Thür erbrochen, und das darauf befindliche Schloß abgerissen

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auf der Erde sich befunden.

Man verfügte sich nun weiter zum Vorzimmer der Archive, wessen starke eichene Thür auf verschiedenen Platzen mit Brecheisen aufgepfändet sich befande. Auf diesem Vorzimmer befande sich die Hauptarchivkiste, welche bei der nemlichen Gelegenheit von dem Hauptarchiv Zimmer, welcher Straßenwerts geht, dorthin getragen worden, vermutlich um desto sicherer und ungestörten dieselbe brechen zu können; diese Kiste fande sich auch offen und ganz ausgeleert, und die dazu gehörige sehr massive drei Hängschlösser mit Gewalt erbrochen. Ferner fande sich daselbst ein zum Tabernakel gehöriger Zierath, wobei das Holz zwar noch unversehrt, das darauf geschlagene Silber aber abgebrochen und verlustig war . Ferner lagen aus verschiedenen ebenfalls erbrochenen kleinen Kistgen die Briefschaften auf dem Boden hingestreut, die aus dem Vorzimmer auf die Hauptarchiv ausgehende mit

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zwei eisernen Bäumen und zwei Hangschlösser versehene eiserne und noch eine fernere hölzerne Thür fande sich ebenfalls erbrochen . Auf dem Archive fande sich eine sonst allda hängender stadtischer silberner Stab etwa 1 1/2 Fuß lang verlustig, und waren alle befindliche Kasten mit Gewalt aufgebrochen, die darin verwahrt gewesene Kirchen Zierathen als nemlich acht silberne Leuchter, wovon zwei verbrochen, ein silber vergoldeter Becher, zwei silberne Pollen mit einem Teller, ein silberner Rosenkranz sammt Kron und Zepter, [zwei geändert in:] drei vergoldete silberne Stücke sammt Kreutz, auch ein silber vergoldetes Marienbild, ein silber Kröngen sammt Stern, noch zwei silberne Kreutzger, [nachträglich eingefügt] und [am Rand weiter eingefügt] 1 silberner H. Geist, fort ein mit schweren goldenen Borden und Franzen versehener sammtne grüne Umhang um den Himmel, sodane ein silbernes Crucifixbild, wovon das holzerne Kreutz verbrochen noch rückgelassen worden, waren alle verlustig. Wie viel

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vom stadtischen Gelde verlohren gegangen, könnte bis nach genommener Einsicht micht genau bestimmt werden. Worauf dann das Protokoll geschlossen, und an die hier sowohl als in den Stadten Düsseldorf,Köln,Kreifeld,Uerdingen und Aachen wohnende Goldschmidt ein Avis Schreiben, um wenn vieleicht von obgedachten Sachen ein- oder anderes Stuck zum Verkauf angebothen werden sollte, den Anbringer zu arretiren, und hiesigem Gericht davon Kundschaft mitzuteilen zu erlassen verbeschieden worden.